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Mercedes droht mit Schließung zweier Werke in Deutschland

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 23.09.2026

Mercedes-Benz erhöht den Druck auf seine Beschäftigten in Deutschland, um die Kosten zu senken, und bringt eine ausgesprochen unangenehme Option ins Spiel: Wird die Produktion nicht günstiger, könnte der Konzern ein Fahrzeugmontagewerk und ein Antriebswerk schließen. Noch 2025 hatte Mercedes erklärt, keine Werksschließungen in Deutschland zu planen.

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Eine Entscheidung ist bislang nicht gefallen, konkrete Werke wurden nicht genannt. Michael Schiebe, Produktionschef von Mercedes-Benz, sprach die Warnung auf einer Mitarbeiterversammlung im Werk Sindelfingen aus. Offizielles Ziel des Unternehmens bleibt es, alle Produktionsstandorte in Deutschland zu erhalten. Das Management knüpft dies nun jedoch ausdrücklich an niedrigere Arbeitskosten.

Mercedes will 38 statt 35 Stunden

Im Zentrum des Konflikts stehen die Arbeitskosten in Deutschland. Mercedes verhandelt mit den Arbeitnehmervertretern darüber, die Wochenarbeitszeit ohne entsprechenden Lohnausgleich von 35 auf 38 Stunden zu verlängern.

Auch eine Kürzung von Sonderzahlungen steht zur Debatte. Nach Angaben des Handelsblatts hat das Management davor gewarnt, dass der Konzern ohne eine Einigung noch mehr Produktion aus Deutschland in kostengünstigere Länder verlagern könnte.

Mercedes erklärt unverblümt, dass die Produktion in Deutschland beim derzeitigen Kostenniveau nicht ausreichend wettbewerbsfähig sei. Die Arbeitnehmervertreter wiederum betrachten die in Aussicht gestellten Werksschließungen als Druckmittel in den Verhandlungen.

Und als Druckmittel funktioniert diese Drohung naturgemäß sehr gut. Drei unbezahlte zusätzliche Arbeitsstunden pro Woche wirken deutlich attraktiver, wenn als Alternative der Verlust eines ganzen Werks im Raum steht.

Produktionskosten in Ungarn rund 70 Prozent niedriger

Mercedes hat das Problem bereits mit Zahlen beziffert. Laut den Unterlagen zum Kapitalmarkttag 2025 liegen die Produktionskosten im ungarischen Werk Kecskemét rund 70 Prozent unter denen in Deutschland.

Warum Mercedes dort investiert, ist leicht nachzuvollziehen. In diesem Jahr erhielt das Werk Kecskemét zwei neue Karosseriebau- und Montagehallen, eine neue Lackiererei, ein zweites Presswerk und eine Batteriemontagelinie. Die Fläche des Werks wuchs von 200 auf 440 Hektar, die Produktionskapazität könnte auf 400.000 Autos pro Jahr steigen.

Gleichzeitig reduziert Mercedes die Produktionskapazität im gesamten Konzern. Bis 2028 soll sie auf rund 2,2 Millionen Autos pro Jahr sinken. Nach dem aktuellen Plan würden in Deutschland Kapazitäten für etwa 900.000 Autos erhalten bleiben.

Es geht also nicht nur um Arbeitszeiten. Mercedes richtet sein Produktionsnetz auf Standorte aus, an denen der Bau desselben Autos weniger kostet.

Das alte Modell der deutschen Autoindustrie gerät ins Wanken

Mercedes steht mit diesem Problem nicht allein da. Deutsche Autohersteller und Zulieferer bauen Stellen ab, während der europäische Markt nur schleppend wächst, chinesische Hersteller die Preise drücken und der Umstieg auf Elektrofahrzeuge weiterhin hohe Investitionen erfordert.

Mercedes will zudem die bereinigte Umsatzrendite im Pkw-Geschäft mittelfristig wieder auf 8 bis 10 Prozent steigern. Um das zu erreichen, senkt das Unternehmen seine fixen und variablen Kosten, Investitionen und Produktionskapazitäten.

Für Deutschland ist die Lage mehr als unangenehm. Ein Premiumauto mag den dreizackigen Stern auf der Motorhaube tragen, und in der Werbung mag von Stuttgarter Ingenieurskunst die Rede sein. Doch in einer Excel-Tabelle konkurriert Sindelfingen letztlich weiterhin mit Kecskemét.

Derzeit gibt es keinen Grund zu schreiben, Mercedes schließe zwei Werke in Deutschland. Bedeutsam ist jedoch, dass der Konzern bereit ist, diese Möglichkeit in den Verhandlungen mit den Beschäftigten offen auf den Tisch zu legen.

Noch vor anderthalb Jahren hatte Mercedes den Investoren erklärt, in Deutschland seien keine Werksschließungen geplant. Ob dieses Versprechen weiterhin gilt, hängt nun davon ab, wie stark die Deutschen die Kosten der Autoproduktion senken können.